Horrorgeschichten aus dem fröhlichen Apfel
27 12 2010Morgen ist meine Zeit in diesem Hostel zwar schon vorbei, es interessiert einen aber vielleicht doch mal, wie es hier so in dem Hostel aussieht und abgeht, in dem ich jetzt fast einen Monat gelebt habe:
Also an sich ist es wirklich richtig schön hier. Große Außenanlage, free Spa, Wii (yay :D), saubere Toiletten, große Duschen, riesige Küche (zumindest wenn ich das mit dem Hairy Berry in Te Puke vergleiche), halt wirklich, wirklich schön!
Aber irgendwo muss es ja immer einen haken geben – und nein, der liegt nicht an der großen Entfernung zum Stadtzentrum, weswegen man immer mit dem auto einkaufen fahren muss. Es ist der Hostelbesitzer Hamish (und der Name ist Programm).
Geschichte Nummer 1:
Vor 3 Wochen war eine Schulklasse hier. Die Betreuer waren so schon total freundlich und haben uns so schon immer was abgegeben, auch vom Grillfleisch und allem. In Neuseeland in den Hostels ist es üblig, das Essen, was man nicht mehr mitnehmen kann, weil man keinen Platz im Backpack hat (und kein Auto hat :P), einfach als “Free Food” dazulassen. So auch diese Schulklasse: 2 große Kartons voller gutem Essen haben sie für die Bewohner(!) des Hostels dagelassen. Aber natürlich nicht mit Hamish – beide Kartons wurden kurzerhand mitgenommen, mit der Begründung “Ich nehme nur ein bisschen Obst für die Kinder raus, danach stelle ich alles zurück.” Alles klar, verarschen kann man sich auch allein. Natürlich kam nichts, GAR nichts zurück. Als ob man als Hostelbesitzer nicht um einiges mehr Budget besitzen würde als die Backpacker im Hostel. Aber eins hat man sowieso schon ganz am Anfang gelernt: Um was anderes als Geld geht es ihm nie.
Geschichte Nummer 2:
Am Eingang und im Internet steht auf dem Schild, dass in diesem Hostel Zelt- und Stellplätze für Vans angeboten werden. Nun haben sich aber die Preise erhöht und viele haben beschlossen aus dem Zimmer in ein Zelt umzuziehen, weil es einfach teuer wird. Nächte Maßnahme: Verbieten von Zelten, obwohl es am Eingang sogar noch damit geworben wird. An Zelten verdient man halt nicht genug, mein Hamish. Es ist ja nicht so, dass keiner mehr in den Räumen schläft, aber gut.
Geschichte Nummer 3:
Thanksgiving ist ja ein Riesenfest in Amerika – muss also auch hier bei den Amerikanern gefeiert werden, Alkohol darf ja nicht fehlen. So saß man hier mit ein paar Bierflaschen (wenn man die Menge der Leute bedenkt, kam man auf vielleicht 2 Flaschen pro Person) ein einer großen Gruppe zusammen. 9:45 Uhr kam Hamish, dass sie doch bitte leise sein sollen (Punkt eins: Ruhezeit ist 10 Uhr, Punkt 2: die waren gar nicht laut, ich hab direkt daneben ohne Probleme geschlafen) und dass man doch nicht in einer so großen Gruppe zusammen sitzen soll, damit die Neuen nicht abgeschreckt werden. Ja ne, ist klar, jetzt wird einem schon vorgeschrieben, mit wievielen Leuten man zusammensitzen darf? Super!
Geschichte Nummer 4:
Ein deutsches Pärchen hat jetzt hier ein paar Wochen im Van geschlafen und gearbeitet. Vor ein paar Tagen meinte Hamish, dass Zahltag sei – war aber nicht, sondern am nächsten Tag. Nun also großer Streit Nummer 1, bis man dann endlich den Beleg gezeigt hat und er es eingesehen hat. Nun war der Mann aber so geladen, dass er ihm nun alle Geschichten vorgeworfen hat, die in den letzten Wochen passiert sind. Riesenstreit Nummer 2 und die Konsequenz: Rauswurf.
Geschichte Nummer 5:
Julian hat 3 Monate hier im Hostel gelebt, anfangs alles mit aufgebaut, weil er hier gewooft hat. Das heißt, als das Hostel vor kurzem neugemacht wurde hat er gestrichen, gebaut, geputzt, alles. Dann hat er einen richtigen Job bekommen und hat beschlossen, in ein Zelt umzuziehen um Kosten zu sparen. Ab diesem Zeitpunkt war die Freundschaft zwischen ihm und Hamish schon vorbei. Dann kam noch Paul hinzu, der auch im Zelt geschlafen hat und mit dem man total auf einer Wellenlänge ist und abends hat immer mal ein Bier trinkt. Langzeitarbeiter werden sowieso nicht gemocht, im Zelt schon mal gar nicht und wenn man dann noch Bier trinkt und nicht mit allem einverstanden ist was Hamish sagt und macht hat man eigentlich schon verloren. Überstanden haben sie die Zeit trotzdem und sind dann nach dem Ende der Arbeit nach Nelson umgezogen. Den einen Abend haben die beiden spontan zwei Mädels aus dem Hostel hier aus Nelson zurückgefahren und wurden prompt aus dem Hostel rausgeschmissen. Begründung: unangemeldeter Besuch. Das hat ihn zwar noch nie interessiert, aber gut, irgendeinen dummen Grund muss man ja vorzeigen können. Am nächsten Tag wurden sie von den Mädels noch einmal hergerufen, dann standen die beiden im Hostel, Hamish kam: “Ihr beiden, euch werde ich ja nie los.” Riesenstreit und nun Hausverbot für beide. 3 Monate hat man hier gelebt, alles mit aufgebaut, nur um am Ende mit Hausverbot da zu stehen, klasse!
…
Schon im letzten Jahr wurden total viele Langzeitarbeiter rausgeschmissen, mit irgendwelchen dummen Begründungen, aber eigentlich nur um Platz zu machen für die zahlreichen Kurzzeiturlauber, die nicht auf der Weekly Rate leben. Was einem noch so aufgefallen ist: So gut wie alle Rausgeschmissenen haben im Van oder im Zelt gelebt – hat ihm halt nicht genug Geld gebracht.
Das waren jetzt nur einige von gefühlten 100 Geschichten, aber mir persönlich reicht das eigentlich um nicht allzu traurig um meinen Umzug zu sein. Es wird vielleicht ein bisschen schade um die Leute sein, weswegen ich wohl sowieso jeden Tag hier sein werde. Oder auch nicht, vermutlich werde ich wohl auch als “unangemeldeter Besuch” rausgeschmissen, man weiß ja nie.
Kategorien : Golden Bay

